Bako Nationalpark

Der älteste Nationalpark von Sarawak befindet sich etwa 37 Kilometer nördlich der Hauptstadt auf einer Halbinsel mit sehr zerklüfteter Küstenlinie. Über die ausgeschilderten Wege gelangt man durch die verschiedenen Landschaften. Es hat sich auf den nährstoffarmen, wasserdurchlässigen Böden eine eigene Strand -, Kliff - und Felsen - Vegetation ausgebildet. Am Strand findet man die Schatten spendenden Kasuarina - Bäume und kleine dickblättrige Büsche. Auf den feuchten Schwemmlandböden der Flussmündungen herrschen Mangrovenwälder mit Stelzwurzelbäumen und Nipah - Palmen vor. Im Headquarter, das auf der westlichen Seite der Halbinsel liegt, kann man sich in einer Ausstellung über die Tier- und Pflanzenwelt des Parks informieren und anhand einer Karte Wanderungen planen. Vor dem Gebäude lädt ein herrlicher Strand zum Sonnen und Baden ein. Die Felsen sind vom Wasser ausgespült und haben bizarre Formen angenommen. Auf einen über 200 Meter hohen Plateau stehen die Insekten fressenden Kannenpflanzen. Mit etwas Glück kann man im Park Zwerghirsche, Wildschweine, Warane, Eidechsen, Makaken und die seltenen Nasenaffen beobachten, die nur noch auf der Insel Borneo vorkommen.

Impressionen

Auf der Halbinsel angekommen, mache ich mich, nachdem ich mich von dem überflüssigen Ballast befreit habe, gleich auf einen der ausgeschilderten Trails, der mich laut Zeitangabe auf der Karte in ca. 3,5 Stunden, rechtzeitig zum Einbruch der Dunkelheit wieder zurück zum Headquarter bringen soll. Noch auf den Planken des Weges, welcher durch die Mangroven zum Wald führt, entdecke ich einen von mir aufgeschreckten Nasenaffen. Noch vor ich seine Anwesenheit richtig wahrgenommen habe, verschwindet er im dichten Grün des Waldes. Steil führt der schmale Weg über Wurzeln hinauf zu einem Plateau, das durch die Witterung die skurrilsten Formen angenommen hat. Der Trail ist gesäumt von mannshohen Farnen, riesigen Bäumen mit ihren flachen Brettwurzeln und unzähligen anderen tropischen Pflanzen. Nach 1,5 Stunden mache ich einen Abstecher zu einem Aussichtspunkt, von welchem der Dschungel mal von oben betrachtet werden kann. Ich genieße den Anblick auf das satte Grün mit den verschiedensten Nuancen und nutze die Gelegenheit um meine von Schweiß durchtränkten Klamotten zu trockenen. Ich könnte stundenlang dasitzen, in das grüne Meer hineinstarren, und dem Orchester der Tiere lauschen, ohne dabei müde zu werden.

Jetzt muss ich aber aufbrechen, denn es ist schon nach Fünf und ich habe noch zwei Stunden Fußmarsch vor mir. Als ich wieder tiefer in den Urwald komme, wird es schon erstaunlich dunkel, und eine Angst einflößende Stille macht sich breit. Blätter, die von den Bäumen fallen, verursachen einen unglaublich lauten Knall. Dann wieder dieses Ohren betäubende Geräusch, das sich anhört wie Tausende von Kreissägen. Aber nur für wenige Sekunden. Danach - wieder diese unheimliche Stille. Das diffuse Licht verstärkt dieses ungute Gefühl im Bauch. Was ist das? Ein lautes Krachen von Ästen, das sich anhört, als würde ein Baum gefällt. Ich bleibe stehen, drehe mich im Kreis und starre in den Wald. Ich sehe keinen stürzenden Baum der diesen Lärm verursachen könnte, und außerdem fehlt dieser dumpfe Schlag des Aufpralls auf den Boden. Plötzlich - im Augenwinkel ist eine dunkle Silhouette, welche zwischen den Bäumen fliegt. Immer wieder hängt einer dieser Gestalten in der Luft, die diesen Lärm verursachen, wenn sie in das Blätterwerk der Bäume knallen. Es wird zunehmend dunkler. Ich kann die Sonne hinter den vorgelagerten Inseln verschwinden sehen. Den Trail kann ich jedoch nur noch schemenhaft erkennen. Jeder Schritt muss bedacht gesetzt werden, denn die weit aus dem Boden herausragenden Wurzeln sind wie Schlingen. An den steilen Passagen wurden Treppen und Leitern errichtet, die ein vorankommen auf dem glitschigen Untergrund erleichtern.

A little thief

Am Abend sitze ich mit einem jungen neuseeländischen Paar zusammen, das mir eine lustige Story erzählt. Eigentlich haben sie heute überhaupt nichts gemacht. Die meiste Zeit sind sie auf der Veranda vor dem Zimmer gesessen und haben Briefe geschrieben. Irgendwann vernimmt Rose ein Rascheln aus ihrem Zimmer. Als sie ihren Freund fragen will, was er denn suche und dabei ihren Blick von dem Papier löst, muss sie feststellen, dass Mark neben ihr sitzt. Was raschelt da in unserem Zimmer? Sie blickt fragend zu ihrem Freund. Beunruhigt geht Rose ins Zimmer. Ein Makake wühlt in ihrem Rucksack und holt gerade zwei Bananen aus der Tüte. Er starrt Rose, den unerwarteten Eindringling an. Rose geht rückwärts aus dem Zimmer, um den grimmig dreinschauenden Affen nicht noch mehr in die Enge zu treiben, und ihn dadurch zu reizen. Makaken können einem sehr schmerzhafte Bisswunden zufügen, wenn sie sich angegriffen fühlen. Rose beobachtet den Affen aus sicherer Entfernung und sieht, dass er eine Banane zurück in den Rucksack legt und mit der anderen aus dem Zimmer stürmt, um sie vor den Augen der Bestohlenen zu verspeisen. Wenigstens hat er eine fürs Frühstück dagelassen.

The Funny Noses of Borneo

Im Morgengrauen bin ich raus in die Mangroven, um mit viel Glück einige von den Nasalis Larvatus zu sehen. Schon bei meiner Ankunft am Waldrand war das Rauschen und das Pendeln der Baumkronen ein klares Zeichen für die Anwesenheit der Nasenaffen. Doch bevor sich einer von ihnen zeigt, schleicht ein Lizzard fast unbemerkt an mir vorbei. Erst als die 1,5 Meter lange Echse mit den Pfoten ins Wasser schlägt und einen Fisch mit den Krallen heraus zieht, fällt mein Augenmerk auf ihn. In wenigen Augenblicken hat er sein Frühstück verschlungen und verschwindet wieder im Dschungel. Weit oben am Berg kann ich die Silhouette eines Nasenaffen ausmachen. Er nähert sich von links, springt von einer Baumkrone in die andere. Mit einer unglaublichen Präzision klammert er sich, nach einem atemberaubenden Flug, an dem 10 Meter entfernten Baum, an einem Ast fest. Es passieren noch einige dieser Tiere, die vor mir befindlichen Bäume. Einer hat wohl einen Fehlgriff beim Abfangen getan, denn das laute Krachen hält länger an als gewöhnlich und ich sehe die Äste abbrechen. Plötzlich ist der ganze Wald in Aufruhr. Sämtliche Angehörige der Familie kommen zu der Unglücksstelle und sehen nach dem Pechvogel. Es scheint nicht viel passiert zu sein, denn schon nach kurzer Zeit zieht die Familie weiter Richtung Osten. Ich laufe auch noch zu dem Absturzgebiet, kann aber außer einigen abgebrochenen Ästen nichts weiter entdecken.

Nach dem späten Frühstück mach ich mich auf den Weg, den gestrigen Trail in entgegengesetzter Richtung anzugehen, denn das letzte Drittel habe ich nur noch im schalen Licht der Dämmerung gesehen. Gleich am Anfang des Trails liegt ein Baum quer über den Pfad. Ein wirklich gewaltiges Teil, und wie ich am Abend erfahren habe, sind einige Personen mit Haaresbreite einem Unheil entkommen. Doch das ist eine andere Story. Ich klettere über den Stamm und durch das Geäst der Krone, um meinen Weg fortzusetzen. Noch vor es den Berg hoch geht, erschrecke ich einen Lizzard, und er hat mich in gleicher Weise erschrocken, denn ich habe ihn erst bemerkt als er sich mit einem Zischen und Krachen durch das Unterholz aus dem Staub macht. Ich denke, wenn ich mal einem unaufmerksamen oder schlafenden Tier begegne, sei es nun eine Echse oder eine Schlange, ich würde mit aller Wahrscheinlichkeit drauf treten. Die meisten Tiere sind dermaßen gut getarnt, dass man sie erst im letzten Augenblick erkennt - wenn überhaupt - und man sie nur ausmachen kann, wenn man den Geräuschen des Waldes lauscht. Irgendwo ein verdächtiges Krachen, ein Zirpen, ein Rascheln, oder andere ungewöhnliche Geräusche. Dann laufe ich wieder Kilometer weit, ohne auch nur etwas einziges Auffallendes wahrzunehmen. Außer die vielen verschiedenen Bäume, mit ihren skurrilen Wurzeln, und Blättern die so groß wie Tennisschläger werden. Dann fängt mein Auge wieder etwas herausstechendes ein. Ein Käfer mit einem hell leuchtenden Blau, das im Sonnenlicht metallisch schimmert. Doch als ich mich ihm nähern will flattert er davon. Man sieht hier so viele verschiedene Pflanzen und Tiere, die in eine märchenhafte Landschaft integriert sind, dass man sich schon etwas wundert bei dem Gedanken, dass nur 40 Kilometer entfernt eine Stadt entsteht, welche in keiner Hinsicht den Vergleich mit einer Europäischen Metropole zu scheuen braucht. Als ich meinen Blick von einem Plateau aus über den Ozean schweifen lasse, werde ich wieder daran erinnert. Dort draußen liegen zwei dieser riesigen Öltanker vor Anker, die gerade mit dem schwarzen Gold beladen werden. Der Fortschritt wird in kürzester Zeit die Grenzen dieses Parks erreicht haben und es bleibt zu hoffen, dass wenigstens in solchen Reservaten kleine Teile des Regenwaldes mit seinem Artenreichtum für folgende Generationen erhalten bleiben.

Es folgt ein zweistündiger Fußmarsch zu einigen Wasserfällen. Keine gewaltigen Fälle, und das Wasser hat eine seltsame braun - rote Farbe, die nicht gerade zum Baden einlädt. Jedoch ist das Wasser erfrischend kühl und die Farbe beruht wohl von der Beschaffenheit des Gesteins in dieser Gegend. Doch das Wichtigste - ich bin allein an diesem idyllischen Plätzchen. Fast allein! Überall sind Ameisen unterwegs - Riesenameisen, die so groß wie mein kleiner Zeh sind. Mir fällt dieser Vergleich gerade ein, weil eines dieser netten Tierchen gerade an meinem Bein hinaufklettert und mich angesichts ihrer Größe doch etwas erschauern lässt. Dann wären noch die lieben aber sehr scheuen Lizzards zu erwähnen, die sich auf den von der Sonne erwärmten Steinen ausruhen, und die Schildkröten, die von Zeit zu Zeit ihren Kopf aus dem Wasser strecken um Luft nachzutanken.

Es wird nun aber wieder Zeit zu gehen, denn ich habe noch einen 2-3 Stunden dauernden Weg vor mir und will heute Abend noch nach den Nasalis Larvatus sehen, die dann zu ihren Schlafplätzen zurückkehren. Ich forciere meine Gangart etwas und achte nicht mehr auf die Umgebung. Plötzlich ein lautes rascheln der Blätter in einem der Bäume. Das bereits bekannte Geräusch der Affen, wenn sie von Baum zu Baum springen. Ich bleibe stehen und versuche etwas in den Baumkronen zu entdecken. Nichts! Nicht weit von hier muss ein Aussichtspunkt sein, von den man in die unterhalb liegenden Baumkronen sehen kann. Behutsam und ohne unnötige Geräusche zu verursachen begebe ich mich dorthin, in der Hoffnung dort einen Pinocio von Borneo, wie von den Einheimischen die Nasenaffen genannt werden, vor die Linse zu bekommen. Doch als ich mich dort einfinde herrscht toten Stille. Kein Anzeichen für die Anwesenheit auch nur eines Affen. Ein paar Schmetterlinge lassen sich blicken, das ist dann aber auch schon alles. Beim beobachten von Tieren wird die Geduld oft sehr stark strapaziert. Jetzt warte ich bereits eine halbe Stunde, da höre ich auf einmal ein leises Rauschen aus einer Krone etwa 20 Meter vor mir. Tatsächlich sitzt dort eine lange Nase und holt sich ein Blatt nach dem Anderen vom Baum, um es mit Genuss zu verspeisen. Es ist faszinierend diesen schönen Geschöpfen zuzusehen, wie gelassen sie sich bewegen und ohne jegliche Hektik ihre Nahrung zu sich nehmen.

Guardian Angel

Als ich dann nach Einbruch der Dunkelheit zurück am Headquarter bin, treffe ich das englische Pärchen, das mir die Geschichte von dem umgestürzten Baum erzählt, der mir heute Morgen den Weg versperrte. Sie haben gestern Nacht eine kleine Exkursion gestartet, um die nachtaktiven Tiere zu beobachten. Plötzlich dieses Geräusch, das die Affen verursachen, wenn sie in die Baumkrone knallen. Sie leuchten mit ihren starken Lampen in die Richtung aus der das Geräusch kommt. Nichts! Die Baumkronen sind zu hoch, so das der Lichtkegel sie nicht mehr erreicht. Wieder dieser Krach - lauter als zuvor. Es kracht, Holz splittert. Der Baum! Ruft einer aus der Gruppe. Alle laufen um ihr Leben. Dann der harte Aufschlag des Stammes, der den Boden beben lässt. Sie leuchten in die Richtung, aus der sie geflüchtet sind und stellen erschrocken fest, dass der Baum genau dort gestürzt ist, wo sie sich noch vor wenigen Augenblicken befunden haben. Es gibt Momente, in denen dein Leben an einem seidenen Faden hängt, und die nur mit der Hilfe eines Schutzengels überlebt werden können.